50 Jahre Paul-Gerhardt-Haus

1971 bis 2021: 50 Jahre selbstbestimmtes Seniorenwohnen in der Gmünder Weststadt.

2021 ist das Paul-Gerhardt-Haus 50 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum ist eine Festschrift erschienen. Aus ihr stammen die folgenden Abschnitte und die Kacheln auf der Seite Paul-Gerhardt-Haus.

Bewohnerinnen und Bewohner spielen Boccia im Garten des Paul-Gerhardt-Hauses

1971 bis 2021: 50 Jahre selbstbestimmtes Seniorenwohnen

Als das Paul-Gerhardt-Haus 1971 gebaut wurde, war der Begriff „Betreutes Wohnen“ noch nicht erfunden und vergleichbare Anlagen gab es fast nur im Ausland. Das mit 4 Mio. Mark größte Bauprojekt der Vereinsgeschichte war ein Kraftakt, bei dem Kirchengemeinde und Stadt tatkräftig mithalfen, durch Spenden, Aktionen, Zuschüsse und einen dreitägigen Wohltätigkeitsbazar im Stadtgarten.

Pfarrer Karl-Georg Gseller und Stadträtin Ilse Gseller, die auch die Evangelische Diakoniesozialstation gründete, waren Motor und Ideengeber für das Bauvorhaben und übernahmen die Begleitung der Mieter. Der Standort war ein Bekenntnis: Man baute in der jungen, dynamischen Weststadt neben dem ebenfalls noch jungen Gemeindezentrum Brücke, mitten im Leben und in enger Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde.

Bei der Einweihung am 28.11.1971 beschrieb Pfarrer Gseller das Anliegen des Hauses als „Gegenpol gegen die Eintönigkeit und Resignation, die dem Bild des alten Menschen anhaftet“, als „einen Hinweis auf das ‚dennoch‘ des Glaubens, den Widerspruch zu Krankheit, Tod und Vergänglichkeit, das ‚dennoch‘, das niemand so besungen hat wie Paul Gerhardt“.

2019 wurde das Haus für sein nachhaltiges und faires Wirtschaften als eines der ersten von Brot für die Welt mit dem Siegel „faire Einrichtung“ ausgezeichnet. Die Festschrift kündigte damals an, die Versorgung mit Wärme und Strom ab 2022 vollständig klimaneutral zu stellen. Wo das Haus heute steht, lesen Sie unter Nachhaltigkeit.

Einzigartig in der Weststadt

Fast jeder kennt das massive Bauwerk an der Eutighofer Straße. Nur wenige wissen, dass sich hinter den schützenden Mauern eine grüne Oase verbirgt, in der man mitten in der Weststadt den Vögeln lauschen und in der Dämmerung sogar Rehe beobachten kann. Die Mieterinnen und Mieter leben selbständig und eigenverantwortlich in ihren Wohnungen. Wer möchte, nimmt an vielfältigen Gemeinschaftsaktivitäten teil und, wenn nötig, stehen die Mitarbeitenden des Evangelischen Vereins unterstützend zur Seite.

Die mächtigen Betonwände und der blühende Garten sind Sinnbild für den Charakter des Hauses: Das Haus bildet den schützenden Rahmen, in dem sich Leben entfalten kann. Die Mitarbeitenden, externe Pflegedienste und nicht zuletzt die Mietergemeinschaft bieten Sicherheit und Begleitung, wo es nötig ist. Sie engen jedoch nicht ein, bevormunden oder kontrollieren nicht. Das Leben bleibt vollständig in den eigenen Händen.

Für manche mögen die massiven Mauern abweisend wirken, doch dieser Eindruck trügt: In den letzten Jahren wurde das Haus immer mehr zum Treffpunkt für viele aus der Weststadt und ganz Schwäbisch Gmünd, bei den Gottesdiensten der Evangelischen Kirchengemeinde, den Treffen der Weststadtsenioren, bei Seniorensport, der Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz, Vorträgen und Veranstaltungen und vielem anderem mehr.

Stimmen zum Jubiläum

Dieter Lehmann

Dieter Lehmann

Ex-Vorstand des Evangelischen Vereins, Amtsleiter Familie und Soziales a. D.

„Das Paul-Gerhardt-Haus ist für uns eine wahre Oase für Körper, Geist und Seele und unser Miteinander. Dabei denken wir an das selbstständige Wohnen in den eigenen vier Wänden auch im fortgeschrittenen Alter und daran, bei Bedarf Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen zu können, an Gottesdienste und die vielen Veranstaltungen im Haus und daran, im wunderschönen Hausgarten die Seele baumeln zu lassen.“

„Das Paul-Gerhardt-Haus mit seiner Bewohnerschaft, seinem unterstützenden Team und seiner Infrastruktur ist wahrlich ein Netz, das trägt. Ganz nach dem Motto des Evangelischen Vereins, der mit seiner über 150-jährigen Geschichte zeigt, dass auf dieses Netz Verlass ist. Wir als Kommune freuen uns über den Evangelischen Verein als verlässlichen Partner.“

Sven Siegle

Sven Siegle

Diakonischer Mitarbeiter und Geschäftsführer

„Ein Netz, das trägt: ein Netz aus Fürsorge, Freundlichkeit und Toleranz, ein Netz mit vielen kleinen Knotenpunkten, von denen keiner unwichtig ist und jeder von den anderen mitgetragen wird. Das ist die Vision, die uns motiviert. Deshalb ist es selbstverständlich, dass Nachbarn nacheinander schauen, wenn es dem anderen nicht gut geht und dass man sich im Foyer oder auch von Balkon zu Balkon freundlich grüßt und gerne auch ein Schwätzchen anhängt.“

„Wir setzen uns dafür ein, ein Umfeld zu schaffen, wie es im Psalm 23 beschrieben wird: ein Umfeld, das von Sicherheit, Freundlichkeit, Fülle und Lebensfreude geprägt ist. Ein Umfeld, in dem die dunklen Täler unseres Lebens nicht verheimlicht oder beschönigt werden müssen, aber in dem man in seinen schweren Zeiten wissen darf: Ich bin nicht allein, du bist bei mir.“

Texte und Fotos aus der Festschrift „50 Jahre Seniorenwohnanlage Paul-Gerhardt-Haus“ (2021). Fotografie: Holger Schimkat, Schimkat Fotodesign. Die vollständige Festschrift finden Sie hier als PDF.